Beteiligung

Ich bin traurig um die eingestutzten Flügel der Jugend, die immer wieder enttäuschte Hoffnung auf mehr Freiheit und Begegnung. Sie wollen hinaus in die Welt, Dinge bewegen und tragen tapfer die angelegten Halteseile.
Ich bete für unsere Kinder und Jugendlichen, sich in dieser Zeit nicht entmutigen zu lassen.

Mir fehlen die Schwellen. Digital reiht sich eines ans andere. Kein Gespräch zwischen Tür und Angel, kein Nachklingen des Gewesenen, kein Wechsel der Räume, keine körperliche Bewegung - es sei denn, ich sorge selbst dafür, was mühsam ist. Und manche Kommunikation wird damit schwellenlos...

Ich klage vor Gott, dass ich meine drei einjährigen Enkel in dieser Zeit nicht sehen und treffen darf. Ich klage, dass wir dem Schutz vor dem Coronavirus die seelische Gesundheit und die menschlichen Bedürfnisse nach Zuwendung, Berührung und Begegnung unterordnen.

Ich klage vor Gott das ich Angst habe, dass meine drei Kinder, trotz allem Bemühens einen seelischen Schaden durch die Schul- und Kindergartenschließung erleiden. Ob mein großer Sohn den Leistungsstand erreicht der für die weiterführende Schule notwendig ist und das ich Angst habe trotz überstandener Depression wieder in eine neue abzurutschen, weil es manchmal einfach schwer ist in dieser Zeit.

Ich klage für all diejenigen, denen die derzeitige Situation die Stimme raubt, denen die Worte fehlen, um auszudrücken, was uns sprachlos macht. Wir haben unsere Mitte verloren. Ich bete und bitte darum, dass wir wieder zu uns und unserer Mitte finden - weg von Über- und Untertreibung, hin zu einem guten Bauchgefühl. Lass die Sonne in die erkalteten Herzen zurückkehren und uns allen die Hoffnung nicht verzagen. Herr bleibe bei uns.

Die Angst ist uns in die Knochen gekrochen. Jede Begegnung unter Vorbehalt, immer läuft die Frage mit: Wie viel Nähe will ich gerade zulassen? Und das soll noch über Monate so sein?

Mein Freund hat seit Corona einen Rückfall in die Suchterkrankung. Ich bete für ihn und für seine Genesung, auch wenn es für unsere Beziehung vielleicht keine Heilung gibt

Ich klage vor Gott die Sorge um meine alte Mutter: Wir leben weit voneinander entfernt. Ihr selbstständiger Alltag war voller Gäste, Besuche, Freundinnen und Freunde. Jetzt gibt es noch das Telefon - und viel Stille, viel Zeit zum Grübeln. Am Telefon spüre ich, wie ihr manchmal die Worte fehlen und sie erzählt von der Schwere des Alleinseins. Alles in Ordnung, sagt sie. Wenn du dann wieder mal kommst... sagt sie. Es geht uns gut. Und mir ist zum Heulen.

Eltern sind kein (guter) Lehrerersatz. Die Kinder zu Hause beschulen, geht mir ganz schön an die Nerven.

Die gegenwärtige Situation hält uns so in Atem, dass kein Raum bleibt für die großen Herausforderungen des Klimawandels und der weltweiten Gerechtigkeit. Die Schlagzeilen sind gefüllt mit Corona. So viel anderes ist jetzt zu entscheiden und zu lösen. Die Zeit geht uns verloren. Und ich ahne, dass auch diese Zukunftsfragen unser Leben so durcheinander wirbeln könnten, wie diese Pandemie...

Ich habe in diesen Tagen von vier Bekannten erfahren, dass sie an Krebs erkrankt sind! Lass uns nicht nur auf Corona schauen, sondern auch auf viele Menschen, die aus ganz anderen Gründen medizinische Hilfe brauchen. Viele müssen auf Behandlungen warten oder können diese nur unter großen Einschränkungen wahr nehmen.

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Wir glauben, dass Gott unsere Worte schon wahrnimmt, wenn wir sie denken, tippen oder still beten.

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Die Klagewände in den beiden Kirchen sind in der Regel zu folgenden Zeiten zugänglich:

Propsteikirche: täglich 9-18 Uhr
Peterskirche: Mo-Fr 9-17 Uhr

Bitte betreten Sie den Kirchenraum einzeln und halten Sie den Mindestabstand von 2 Metern ein. Bitte tragen Sie Mund-Nasen-Schutz.