Erfahrungen

Konkret hinhören. Widersprüche aushalten.
Die Klagen der letzten Wochen.
Persönliche Momentaufnahmen.

Klagezeit am 2. April 2021

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

aus Psalm 22

Daniel Knauft, Sänger Amarcord und ärztlicher Helfer Impfungen


Klagezeit am 26. März 2021

Ina Lipp, Hausärztin in einer Corona-Schwerpunktpraxis


Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Ich gehe krumm und sehr gebückt;
den ganzen Tag gehe ich traurig einher.
Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen;
ich schreie vor Unruhe meines Herzens.
Herr, du kennst all mein Begehren,
und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.
Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen,
und das Licht meiner Augen ist dahin.
Meine Lieben und Freunde scheuen zurück vor meiner Plage,
und meine Nächsten halten sich fern.
Ich bin wie taub und höre nicht,
und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.

Aber ich harre, Herr, auf dich;
du, Herr, mein Gott, wirst antworten.
Verlass mich nicht, Herr,
mein Gott, sei nicht ferne von mir!
Eile, mir beizustehen,
Herr, meine Hilfe!

aus Psalm 38


Klagezeit am 19. März 2021

Du Hirte Israels, höre,
der du Josef hütest wie Schafe!
Erscheine, der du thronst über den Cherubim, 
vor Ephraim, Benjamin und Manasse!

Erwecke deine Kraft
und komm uns zu Hilfe!

Gott, tröste uns wieder
und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen
beim Gebet deines Volkes?
Du speisest sie mit Tränenbrot
und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen.

Gott Zebaoth, tröste uns wieder
und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

aus Psalm 80

Hans-Uwe Mergner, Durchblick e.V. für Psychiatriebetroffene


Katja Dunker, Bestatterin


Klagezeit am 12. März 2021

Tobias Wilzki, Pflegefachkraft im ambulanten Hospizdienst


Cornelia Schnoy, ehrenamtliche Stadtführerin

Eile, Gott, mich zu erretten,
Ewige, mir zu helfen!
Es sollen sich schämen und zuschanden werden,
die mir nach dem Leben trachten;
sie sollen zurückweichen und zum Spott werden,
die mir mein Unglück gönnen.
Sie sollen umkehren um ihrer Schande willen,
die über mich schreien: Da, da!
Lass deiner sich freuen und fröhlich sein
alle, die nach dir fragen;
und die dein Heil lieben, lass allewege sagen:
Hochgelobt sei Gott!
Ich aber bin elend und arm; Gott, eile zu mir!
Du bist mein Helfer und Erretter; Heilige, säume nicht!

Psalm 70


Klagezeit am 5. März 2021

HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?
Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele /
und mich ängsten in meinem Herzen täglich?
Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?
Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott!
Erleuchte meine Augen,
dass ich nicht im Tode entschlafe,
dass nicht mein Feind sich rühme,
er sei meiner mächtig geworden,
und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.
Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist.

aus Psalm 13

Marthe Helmers und Line Pohl, Erleben von Jugendlichen


Stefan V., Leiter eines Alten- und Pflegeheims


Klagezeit am 26. Februar 2021

Torsten Junghans, Wirt der Vodkaria


Karla Steilmann, Pfarrerin aus Südamerika

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm,
wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott. […]
Ich aber bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich
mit deiner treuen Hilfe.
Errette mich aus dem Schlamm,
dass ich nicht versinke,
dass ich errettet werde […] aus den tiefen Wassern;
dass mich die Wasserflut nicht ersäufe
und die Tiefe nicht verschlinge und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.


Klagezeit am 19. Februar 2021

Gebet in Armut, Angst und Einsamkeit

vorzusingen in Zeiten der Kontaktbeschränkung

Gott, sei uns nahe und tröste uns wieder –
wir klagen dir unsere Not:
Die Angst vor dem Virus lähmt uns
und unser gewohntes Leben.
Menschen in Armut und ohne Obdach waren die ersten, die aus dem Blick gerieten, als alles geschlossen wurde.
Sie konnten auf keine Reserve, keinen Besitz zurückgreifen, weder auf Freunde noch Familie.

Viele Verletzungen haben sie krank gemacht:
Das sind Wunden, die schlecht heilen.
Sie leben im Staub
und von den Brotkrumen, die von unseren Tischen herabfallen.
Wir alle sehnen uns nach Freiheit und Leben,
nach Heilung, Liebe und Frieden
für uns und für die, mit denen wir uns verbunden fühlen in dir
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

(Gerit Schleusener)

Claus Jacobi von Wangelin, stationsleitender Pfleger auf der Covid-19-Station im Diakonissenkrankenhaus


Gerit Schleusener, Sozialarbeiterin in der Oase und im Teekeller, Wohnungslosenhilfe


Klagezeit am 12. Februar 2021

Reinhold Schulze-Tammena, Schulleiter des Evangelischen Schulzentrums


Stephan Hildebrandt, im Dezember an Corona erkrankt

Ich schreie zu Gott mit meiner Stimme
ich flehe zu Gott mit meiner Stimme.
Ich schütte meine Klage vor ihm aus
und zeige an vor ihm meine Not.

Wenn mein Geist in Ängsten ist,
so kennst du doch meinen Pfad. …
Herr, zu dir schreie ich und sage:
Du bist meine Zuversicht, …

aus Psalm 142


Klagezeit am 5. Februar 2021

Herr, erhöre mein Gebet,
vernimm mein Flehen um deiner Treue willen,
erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen.

Mein Geist ist in mir geängstet,
mein Herz ist erstarrt in meinem Leibe.

Ich gedenke an die früheren Zeiten;
ich sinne nach über all deine Taten
und spreche von den Werken deiner Hände.

Ich breite meine Hände aus zu dir,
meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.

Herr, erhöre mich bald, mein Geist vergeht;
verbirg dein Antlitz nicht vor mir.
Lass mich am Morgen hören deine Gnade;
denn ich hoffe auf dich.

Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll;
denn mich verlangt nach dir.
Errette mich, Herr;
zu dir nehme ich meine Zuflucht.

aus Psalm 143

Annegret Joop, Mitarbeiterin im Südcafé, aktuelle Situation von Flüchtlingen


Lucia Henneke, arbeitet und betreut ein Kindergartenkind zu Hause 


Klagezeit am 29. Januar 2021

Anika Mélix, bis Dezember 2020 Studentin


Sandra Beck, Abschied und Tod in Zeiten der Pandemie

Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe,
zu Gott rufe ich, und er erhört mich.
In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn;
meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab;
denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.
Ich denke an Gott – und bin betrübt;
ich sinne nach – und mein Geist verzagt.
Meine Augen hältst du, dass sie wachen müssen;
ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann. […]

Hat Gott vergessen, gnädig zu sein,
hat er sein Erbarmen im Zorn verschlossen? […]
Darum gedenke ich an die Taten des Herrn,
ja, ich gedenke an deine früheren Wunder. […]
Gott, dein Weg ist heilig.
Wo ist so ein mächtiger Gott, wie du, Gott, bist?

Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe.

aus Psalm 77


Klagezeit am 22. Januar 2021

Ich schreie zu Gott mit meiner Stimme
ich flehe zu Gott mit meiner Stimme.
Ich schütte meine Klage vor ihm aus
und zeige an vor ihm meine Not.

Wenn mein Geist in Ängsten ist,
so kennst du doch meinen Pfad. …
Herr, zu dir schreie ich und sage:
Du bist meine Zuversicht, …

aus Psalm 142

Luise Felsmann, Sozialpädagogin und Schulbegleiterin


Lydia Tröger, technischer Support IT, seit März 2020 im Homeoffice


Klagezeit am 15. Januar 2021

David Erler, freiberuflicher Musiker

Herr, auf dich traue ich,
lass mich nimmermehr zuschanden werden,
errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!
Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

Ich aber, Herr, hoffe auf dich
und spreche: Du bist mein Gott!
Meine Zeit steht in deinen Händen.

aus Psalm 31